apothekenjournal.com

Impotenz ist mehr als nur die Erektionsstörung

 

Wenn es um das Thema Impotenz geht, sind Männer peinlich berührt. Kein Wunder, wird doch nicht selten in Form von Witzen und Sprüchen die „Manneskraft“ der Betroffenen infrage gestellt. Dabei werden beim Begriff der Impotenz oft einige Dinge durcheinandergebracht. Zum Beispiel wird die Impotenz häufig mit dem Krankheitsbild der Erektilen Dysfunktion gleichgesetzt.

Das ist jedoch nicht korrekt, denn sie ist nur eine von mehreren sexuellen Funktionsstörungen, die beim Mann auftreten können. Der vorzeitige Samenerguss oder die Zeugungsunfähigkeit gehören ebenfalls dazu. Jedes Beschwerdebild muss einzeln für sich betrachtet und natürlich auch therapiert werden.

Die Erektile Dysfunktion

Spricht man von einer Erektilen Dysfunktion ist es dem Mann nicht möglich, einen steifen Penis zu bekommen oder die Erektion für eine ausreichende Zeit aufrechtzuerhalten. Dadurch ist Geschlechtsverkehr nur sehr eingeschränkt oder aber überhaupt nicht möglich. Von der Erektionsstörung sind häufig Männer im fortgeschrittenen Alter betroffen, jedoch auch jüngere Patienten können darunter leiden. Depressionen, Diabetes oder die Nebenwirkungen bestimmter Medikamente können eine Erektionsstörung begünstigen. Während man bei jüngeren Patienten zumeist psychische Gründe hinter den Beschwerden vermutet, können aber bei älteren Männern oft auch erste Probleme hinter einer Erektionsstörung stecken. Liegt zum Beispiel eine Arterienverkalkung, auch Arteriosklerose genannt, vor, kann diese auch andere Organe im Körper betreffen und schädigen. So kann es hierbei etwa zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen kommen. Allein deshalb sollte eine Mann bei anhaltenden Erektionsstörungen einen Arzt aufsuchen. Denn dieser kann so nicht nur diese Probleme behandeln, sondern auch Grund- oder Begleiterkrankungen erkennen und therapieren.

Eine Erektionsstörung ist im Grunde behandelbar. In vielen Fällen wird der behandelnde Arzt ein Medikament wie etwa Levitra, Viagra, Cialis oder Spedra verschreiben. Die Präparate arbeiten mit PDE-5-Hemmern als Wirkstoff. Diese sorgen für die Blockierung eines bestimmten Enzyms, das für den Abbau einer Erektion verantwortlich ist. Dadurch kann dann ein gesteigerter Blutfluss zum Penis stattfinden, die glatten Muskeln des Penisschwellkörpers entspannen sich, eine bessere Erektionsfähigkeit wird erreicht. Bei der Verwendung solcher Medikamente können allerdings natürlich auch unerwünschte Nebenwirkungen wie etwa Kopf- oder Muskelschmerzen auftreten. Werden gleichzeitig Nitrate genommen, ist eine Einnahme nicht angezeigt, besondere Vorsicht ist bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder früheren Herzinfarkten und Schlaganfällen geboten. Eine Abklärung beim Arzt ist ratsam. Sollte die Gabe dieser Medikamente nicht möglich sein, besteht für Betroffene noch die Möglichkeit, sich ein Mittel direkt in den Penis zu injizieren oder mithilfe einer Penispumpe zu versuchen, eine Erektion zu erreichen.

Vorzeitiger Samenerguss

Der vorzeitige Samenerguss (Ejaculatio praecox) ist für den Mann ein nicht minder unangenehmes Thema. Bei diesem Krankheitsbild kommt es schon kurz nach dem Eindringen zur Ejakulation. Es gibt sogar Fälle, bei denen es schon vor dem Eindringen zur Ejakulation kommt. Hierbei spricht man dann von der „Ejaculatio ante portas“. Unterschieden wird zwischen zwei Formen des vorzeitigen Samenergusses: dem lebenslangen (primär) und dem erworbenen (sekundär). Vor allem bei Letzterem könnten psychische Gründe eine Rolle spielen, weshalb auch eine Gesprächstherapie als Behandlungsmethode diskutiert werden sollte. Auch eine medikamentöse Behandlung der beiden Formen ist möglich. Hierbei kommt das Medikament Priligy mit dem Wirkstoff Dapoxetin zum Einsatz. Dapoxetin ist ein Antidepressivum aus der Familie der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Während Antidepressiva bei der Behandlung von Depressionen erst nach einiger Zeit ihre Wirkung entfalten, sollte Priligy einige Stunden vor der sexuellen Aktivität eingenommen werden. Die Kontrolle des Ejakulationszeitpunkts soll so wieder möglich sein.

Eine gleichzeitige Gabe von PDE-5-Hemmern zur Behandlung einer Erektionsstörung wird nicht empfohlen. Eine Gabe bei bestehenden psychiatrischen Krankheiten oder bei Herzschwäche sollte ebenfalls nicht erfolgen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen etwa Kopfschmerzen, Tinnitus, vermehrtes Schwitzen, Übelkeit, Schwindel, Durchfall oder erhöhter Blutdruck. Auch Synkopen (Bewusstseinsverlust) wurden in Einzelfällen beobachtet.

Sollte auch hier keine medikamentöse Therapie erfolgen (können), gibt es noch die Möglichkeit der bereits erwähnten Gesprächstherapie. Hier können mögliche Blockaden entdeckt und aufgelöst werden. Zudem kann auch eine Sexualtherapie sinnvoll sein. Hierbei erlernt der Betroffene Techniken, wie er die Kontrolle über den Zeitpunkt seiner Ejakulation wiedererlangen kann.

Zeugungsunfähigkeit

Die Zeugungsunfähigkeit zählt ebenfalls zu den sexuellen Funktionsstörungen des Mannes. Hierbei kann zum Beispiel aufgrund der geringen Qualität des Spermas eine Befruchtung nicht möglich sein. Die Ursachen dafür können auch im Lebenswandel begründet sein. Schlechte Ernährung, Drogen-, Alkohol- oder Nikotinkonsum können eine Rolle spielen. Ein Spermiogramm kann bei der Beurteilung der Spermaqualität helfen. Der „Transportweg“ des Spermas stellt ebenfalls eine Ursache dar. Beim Krankheitsbild der Retrograden Ejakulation zum Beispiel gelangt das Sperma in die Harnblase und nicht zur Penisöffnung.

Fazit

Die Impotenz ist in all ihren Formen für jeden Mann eine unangenehme Angelegenheit. In vielen Fällen scheuen sich Betroffenen, mit ihren Partner oder einem Arzt darüber zu sprechen, wodurch die Dunkelziffer im Vergleich zu den offiziellen Zahlen noch höher liegen dürfte. Damit aber – wie bei der Erektilen Dysfunktion – ernstere Krankheiten ausgeschlossen oder mit therapiert werden können, müssen sich die Betroffenen öffnen und den Schritt zum Mediziner wagen.